Ein Schicksalsschlag bricht radikal in unser Leben ein. Er fragt nicht nach dem richtigen Zeitpunkt. Er zerreißt Pläne, nimmt uns die Kontrolle und wirft uns unvorbereitet aus der Bahn. Plötzlich gibt es ein Leben davor und eins danach. Nichts ist wie vorher.
Eine Krebsdiagnose gehört dazu. Ich bekam einen Anruf meiner Frauenärztin an einem Samstagmorgen. Ich wußte direkt, was los war. Kein Arzt der Welt ruft am Wochenende an. Es war ihr wichtig, mir das direkt mitzuteilen. Habe ich es in dem Moment verstanden? Nein. Wer versteht schon Schicksalsschläge.
Meine Grundeinstellung war aber schon immer, das es mir nicht freisteht zu meinen, ich komme gradlinig durchs Leben. Warum sollte es mir anders gehen wie so vielen anderen Menschen mit noch tieferen und schlimmeren Schicksalsschlägen? Ich habe diese Sache angenommen und dachte an die vielen Menschen, die auch durch eine Krebstherapie mussten. Ich war nicht der einzige Mensch auf diesen Planeten, der an Krebs erkrankt. Ich war eine von vielen.
Aber es ist mein Leben am Ende des Tages. Ich bin der Akteur. Was ging ich damit um? Ich funktionierte nur. Mir war wichtig, das die Krankheit nicht mein Leben bestimmt, also ignorierte ich es schon fast gekonnt. Meine Therapie verlief ja automatisch. Verstehen musste ich nichts. Mein Körper litt und kämpfte, und ich machte ignorant weiter.
Am Ende, nach meiner Erkrankung, bezahlte ich damit, das ich mich selbst nicht mehr wiedererkannte. Man wird tatsächlich etwas Irre. Man stürzt sich danach unkontrolliert ins Leben und verliert doch die Kontrolle. Wie ich hier auch thematisiere, ist mir das Danach wichtig. Denn da fing bei mir erst alles an. Die OPs waren anstrengend und würdelos. Man legt sich hin und denkt: Macht. Gehört zur Heilung. Keine Auseinandersetzung mit dem Thema. Man versteht es auch nicht.
Das waren mein Fehler in meiner Erkrankung. Meine Schwester sagte mal, wie uneitel ich durch die Krankheit gegangen bin. Aber ich sagte mir auch: Sorry ich bin Krank und ich kann und möchte es nicht verstecken. Viele bewunderten mich für meine Stärke. Und ja, am Ende sage ich: Das war Stärke.
Alle gehen durchs Schicksal und alle machen es anders. Jeder hat einen anderen Weg. Jeder muss damit klarkommen. Mental stark zu bleiben, den Sinn fürs Leben wiederzufinden. Das ist Stärke. Alles haben den Respekt verdient. Und wenn der Weg Jahre dauert. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Wir wissen nicht, wie unser Leben verläuft. Aber wir bleiben immer der eigene Akteur. Wir entscheiden. Wir lassen zu.
Heute weiß ich, im Hier und Jetzt zu leben, ist das Beste was man machen kann. Was ist schon Morgen? Morgen kann es schon wieder anders sein. Es macht müde, schon an Morgen zu denken. Behalte die Kraft für das Hier und Jetzt. Treff deine Entscheidungen und sag morgen: Gestern habe ich das noch so gesehen, aber heute halt nicht mehr.
Ich finde das Leben schön auch wenn das Dach meines Hauses grad undicht ist, egal, alles besser als Chemotherapie. Mir ist meine Lebensqualität und meine mentale Gesundheit wichtig. Nur ich kann dafür sorgen, das es mir gut geht. Nur ich bin der Akteur in meinem Leben. Immer.
Ich packe die Koffer, die Welt ist so weit, nur ich bin der Akteur, der sich selber befreit.