
Wenn man das Thema Fototherapie anstrebt, muss man auch mutig sein. Mit diesem Bild setzte ich mich mit meiner Mastektomie auseinander. Oft sind Bilder von Brustkrebs brutal ehrlich, Narben werden ungeschönt gezeigt und wirken rau. Ich wollte es anders machen: elegant und voller Stolz. Oft wird in den Medien eine sehr tiefe, krasse Seite von Frauen gezeigt, die unter Brustkrebs litten oder die Darstellungen sind extrem bunt und laut. Ich dagegen wollte eine stolze Haltung und pure Eleganz transportieren. Selbst kann ich mir diese Bild kaum anschauen, weil es für mich auch so viel Ehrlichkeit und Verletzlichkeit besitzt.
Trotz diesem Gefühls habe ich das Foto für ein paar Wettbewerbe eingereicht. Eines ging nach Paris. Aber nun ja, dort habe ich das Thema wohl sehr verfehlt. Dort waren fast ausschließlich Bilder von Fotografen zu sehen, die künstlerisch stark, aber eben sehr rau und erschreckend wirkten. Warum? Nun, jeder setzt sich anders mit diesem Thema auseinander. Und dann komme ich mit meinem Selbstporträt im High-Key-Stil und zeige: keine Narben. Natürlich habe ich es dort nicht unter die 40 besten geschafft. Aber ich möchte lernen und verstehen. Ein vermeintlicher Rückschritt ist oft ein Fortschritt. Ich lerne und reflektiere.
Dafür hänge ich dann in Köln in einer Galerie. Ich freue mich schon auf den Tag an dem ich mit einer Freundin diese Ausstellung besuche und mein Foto aus wahrscheinlich mehrere zehntausend Einreichungen heraussuchen darf. Bei diesem speziellen Wettbewerb erfährt man erst am Tag der Eröffnung, ob man es in den engsten Kreis geschafft. Ich sag mal so, ich erhoffe mir da nichts. Aber mir geht es um die Sache. Ich werde so oder so dort aushängen. Und wieso nicht?