Meine Definition von Arbeit und Freiheit: Warum ich arbeite, um zu leben

Ich habe es schon immer geliebt zu arbeiten. Für mich war Arbeit nie nur Pflicht, sondern etwas, das ich mit Leidenschaft und Energie tue. Kein Wunder, denn ich habe es von Kindheit an nicht anders vorgelebt bekommen: Ich bin in einer Kneipe und im Familienbetrieb großgeworden. Wer in dieser Welt aufwächst, lernt früh, was echter Einsatz bedeutet, und entwickelt ein ganz natürliches Verhältnis zum Anpacken.

Ich habe schon damals verstanden, dass Arbeit und Freiheit zusammengehören. Doch Theorie und Praxis passten in meinem eigenen Leben anfangs nicht zusammen.

Der Wendepunkt: Wenn das Konzept nicht mehr stimmt

In den ersten Jahren meines Berufslebens hatte ich durch meine Berufswahl kaum etwas vom Leben. Ich funktionierte, aber ich lebte nicht. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich tief in mir spürte: Nein, dieses Konzept stimmt so nicht. Ich wollte meine Lebenszeit nicht komplett für meinen Job opfern.

Also zog ich die Reißleine, wechselte den Job und fing an, mein Leben neu auszurichten. Ich integrierte Hobbys, begann zu reisen und endlich richtig zu leben.

Leicht waren diese Veränderungen ganz und gar nicht. Von Natur aus bin ich nämlich ein sehr schüchterner Mensch, etwas, das mir heute wahrscheinlich niemand glaubt, wenn man mich im Beruf erlebt. Jedes Verlassen der Komfortzone hat mich enorme Überwindung gekostet. Aber ich habe gelernt, mutig zu sein. Mut bedeutet nicht, dass man keine Angst hat, sondern dass man die Dinge trotzdem anpackt, weil man weiß, dass es richtig ist.

Heute blicke ich voller Dankbarkeit auf beide Welten zurück: Ich war zehn Jahre lang angestellt und bin seit inzwischen 15 Jahren selbständig. Ich bin dankbar für jeden einzelnen Job, den ich machen durfte, sei es durch harte Praxis oder gezielte Weiterbildungen wie meine Abschlüsse als staatliche Weinberaterin oder den Arzneischein.

Das Positive überwiegt – und jeder ist seines Glückes Schmied

Nicht jede Erfahrung auf diesem Weg war toll, aber das Positive überwiegt für mich ganz klar. Ich habe mir angewöhnt, mich immer zu fragen: Was habe ich hier gelernt? Was nehme ich für mich mit? Zudem sind es die unterschiedlichsten Menschen, die ich durch meine Arbeit kennenlernen durfte, die mein Leben bis heute ungemein bereichern.

Natürlich gehört zum beruflichen Erfolg und der Zufriedenheit am Ende auch immer ein Quäntchen Glück dazu, und für dieses Glück bin ich sehr dankbar. Aber Glück alleine reicht nicht. Ich habe immer sofort an meiner Situation was geändert, wenn ich gemerkt habe, dass sie mir nicht guttut. Das Sprichwort stimmt einfach: Jeder ist seines Glückes Schmied.

Die Selbständigkeit brachte allerdings das gefühlte „24/7“-Arbeiten mit sich. Ich musste erst lernen, mir trotz der ständigen Verfügbarkeit bewusste Auszeiten zu nehmen. Heute weiß ich: Meine Freizeit funktioniert in der Selbständigkeit nur mit klarer Planung und fester Struktur. Freiheit entsteht hier nicht von alleine, man muss sie aktiv organisieren.

Wenn die Arbeit in der Krise zum Anker wird

Doch die größte Lektion meines Lebens war, wie tief meine Arbeit mit meiner mentalen Gesundheit verwurzelt ist. Als ich die Diagnose Krebs bekam, ging es natürlich auch um den wirtschaftlichen Zwang, als Selbständige muss der Betrieb laufen, ein Verbot vom Arzt hin oder her. Im Angestelltenverhältnis hätte ich diesen Wunsch zu arbeiten zwar genauso tief in mir gespürt, aber das System hätte es gar nicht zugelassen.

Als meine eigene Chefin konnte ich selbstbestimmt weitermachen. Und dieser Wunsch wurde zu meiner größten mentalen Stütze. Der Betrieb gab mir eine Aufgabe und feste Struktur. Jeden Morgen aufzustehen, weil es laufen musste, hat mich mental gerettet. Die Arbeit schenkte mir Halt und Normalität. Sie war mein Anker.

Mein Fazit: Das Fundament für ein freies Leben

Dabei bleibt eines für mich unumstößlich: Ohne Arbeit gibt es keine echte Freizeit, das eine braucht das andere als Gegenpol. Und ganz pragmatisch gesehen finanziert mir meine Arbeit das schöne Zuhause, das ich mir erschaffe, und erfüllt mir meine Wünsche.

Ich kann es nur immer wieder betonen: Ich liebe es zu arbeiten, schon immer. Aber ich weiß heute durch all meine Höhen und Tiefen ganz genau, warum ich es tue: Arbeit gibt mir Struktur, hält mich mental gesund und ermöglicht mir am Ende ein erfülltes, freies Leben.