Mastektomie

Meine Diagnose lautete erblich bedingter Brustkrebs, ausgelöst durch das BRCA-1-Gen. Dies stellte sich durch einen Gentest während der laufenden Krebstherapie heraus. Damit stand unmissverständlich fest: Nach der Chemotherapie müssen beide Brüste amputiert werden.

Wie geht man damit um? In erster Linie zählt nur das Gesundwerden. Mein Weg war glasklar zur Mastektomie.

Mitten in der anstrengenden Therapie auch noch weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen, ist unglaublich kraftraubend. Die behandelten Ärzte sprachen erst nur von einer Amputation beider Brüste. Nur durch mein Nachfragen wie es dann weitergeht bekam ich eine Broschüre in die Hand gedrückt wohin ich zum Wideraufbau gehen sollte. Die Beratung war katastrophal. Das sollte eigentlich in einer laufenden Krebstherapie nicht sein. Wie so oft verließ ich das Ärztezimmer und verstand gar nichts.

Die Vorstellung, eine Zeit lang ganz ohne Brüste zu leben und mich danach einer weiteren OP unterziehen zu müssen, machte mir große Angst. Ich spürte: Das kann nicht der richtige Weg sein. Also holte ich mir eine Zweitmeinung. Mein großes Glück war eine gute Freundin, die auf der Frauenstation einer anderen Klinik arbeitet. Sie organisierte für mich einen Termin bei einer wunderbaren, vertrauensvollen Ärztin. Diese riet mir zu einer Amputation mit gleichzeitigem Silikonaufbau in nur einer einzigen Operation. Ich war unendlich erleichtert, dass es diese Möglichkeit gab. Für den Eingriff wechselte ich die Klinik.

Die OP verlief komplikationsfrei.

Mein größter Kampf galt danach meinem Selbstbild. Die Chemotherapie hat meinen Körper verändert. Die Mastektomie hat mir den Rest gegeben. Was ich fühle, lässt sich bis heute schwer beschreiben. Es ist wie ein Einbruch: Fremde dringen in deinem intimsten Bereich ein. Danach ist es nicht mehr dein Körper. Die Psyche und die Nerven brauchen für die Heilung viel länger als die Operationswunde. Man muss sich das Vertrauen in den eigenen Körper ganz neu erkämpfen. Obwohl sich die Brüste optisch kaum verändert haben, fühlt sich alles anders an. Ich wollte diesen Eingriff nicht-die Krankheit hat ihn mir aufgezwungen. Und trotz dieses extremen Gefühlschaos war die Entscheidung richtig. Ich nehme das Schicksal an, denn das Leben ist machbar. Was bleibt, ist die Dankbarkeit, wieder gesund zu sein.

Zum Schluss möchte ich anmerken, das meine Berichte ausschließlich meine persönliche Erfahrungen widerspiegeln. Sie ersetzen weder medizinische noch eine psychotherapeutische Beratung oder Empfehlung. Fachliche Kompetenz zählt mehr als persönliche Erfahrungswerte. Und wenn ihr euch unsicher seid, holt euch bitte immer eine zweite Meinung.