Viele Menschen glauben, dass das Aufatmen beginnt, sobald die akute Krebstherapie vorbei ist. Doch die Realität sieht oft ganz anders aus. Während der Chemotherapie und der Operationen funktioniert man wie im Tunnel. Man wird von Arzttermin zu Arzttermin durchgeschleust, das System ist auf das nackte Überleben programmiert. Man hat in dieser Phase schlichtweg keine Zeit, das Trauma zu verarbeiten.
Der eigentliche Zusammenbruch kommt oft erst dann, wenn die Ärzte sagen, dass man aktuell krebsfrei ist und die Remission beginnt. Das Umfeld atmet erleichtert auf und erwartet eine Rückkehr zur Normalität. Doch genau in diesem Moment bricht das System zusammen. Wenn das strukturierte Durchschleusen endet und die plötzliche Stille eintritt, fällt man oft in ein tiefes Loch. Die Psyche fängt jetzt erst an, das erlebte Trauma und den Verlust des alten Lebens überhaupt zu begreifen.
Statt Erleichterung empfindet man oft eine tiefe, beschämende Zerrissenheit. Man hat es geschafft, der Kampf ist vorbei, und eigentlich müsste man glücklich sein. Genau für diese Traurigkeit und Erschöpfung schämt man sich zutiefst vor sich selbst und den anderen, weil scheinbar wieder alles in Ordnung ist.
Sich aus diesem Loch zurückzukämpfen, den eigenen Körper neu kennenzulernen und das Vertrauen wiederzugewinnen ,ist oft unendlich viel schwerer als die Therapie selbst. Zu zeigen, dass man danach nicht sofort wieder „gesund“ funktioniert, sondern sich Schritt für Schritt, das Leben neu erobern muss, ist der Kern von wundervollweiter.